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Kilometer später

Was sind sie nicht immer wieder schön, diese Reisen quer durch die Republik um wieder zu Hause anzukommen.
Eine Unpässlichkeit hat die Bahn dazu gebracht, mir einen netten Ersatzfahrplan zu erstellen um sich Taxikosten zu ersparen. Und so entdeckte ich an einem Bahnhof ein Plakat für eine neue Sportart: Slowbiking. Leider musste ich ganz schnell von Gleis 3 auf das 300m entfernte Gleis 31 und konnte kein Foto machen. Spontan dachte ich jedenfalls an Polts „Fresh Air Snapping“, wofür ich leider bei YT noch nie fündig wurde.
Eine knappe Stunde saß ich dann in einer dieser Privatbahn genannten Züge und nahm deren Engagement für mehr Kinderfreundlichkeit war:
KinderspieleckeEine tolle Sache, wirklich, nur würde mich doch zu sehr interessieren, ob das zu Konflikt- oder Spannungssituationen mit ruhebedürftigen Reisenden führt.
Die verlängerten freien Tage brachten mir Freundschaften, die sich sämtlich vertieften. Tanzen, auch Tango, Museen, Begegnung mit Architektur, ein Fahrrad, das meinen Weg besser kannte als ich, Luft von Flüssen … ein Gefühl von Dankbarkeit, das nun bei mir ist.
Und: Das erste Mal seitdem ich blogge, war ich ein paar Tage offline. Ein gewöhnungsbedürftiges Gefühl, auch wenn ich immer dir Möglichkeit gehabt hätte, einzugreifen, es war mir unterwegs nur halb so wichtig.

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Unterwegs

Unterwegs von Milonga zu Milonga: Der eine radelt mal eben in den nächsten Stadtteil, der andere verfährt am Wochenende 500km. Ich erreichte mein letztens anvisiertes Ballhaus mit dem ICE. Die angenehmen Seiten des Zugfahrens sind allgemein bekannt, ich selbst stecke gerne die weißen Stöpsel mit den neuesten Podcasts ins Ohr, aber auch gelegentlich mal raus. So sind mir einige wunderbare Szenen nicht entgangen und ich hatte herrlichstes Kino. Geschichten von der Vielfalt des Lebens.

  • Eine Familie fährt ohne Platzkarte durch halb Deutschland. Wer fünf Zugfahrkarten kaufen kann, warum kann er keine Platzkarten mit dazu erwerben? Egal, es war ein ständiges Leben und Treiben, die Suche nach freien Sitzplätzen bis zum nächsten Bahnhof, ab dem schon wieder neue Reservierungen angezeigt waren. Ein paar Stationen lassen sie sich also auch in meiner Nähe nieder. Die Mutter erzählt ihrem ca. 14ährigen Sohn über den Maiglöckchenduft von menschlichen Eizellen vor der Befruchtung. Oh Mama, nicht so laut! – (Da sind sie dann doch wieder zum Knuddeln, die Pubertierenden …). Die etwa 11-jährige Schwester interessiert sich mehr für Kopfhörer und das daranhängende Gerät. Oma zieht Tierkarten aus der Tasche und Enkelin lässt es über sich ergehen, Tiere sind ja auch nicht völlig uninteressant. Beim Thema Fuchs beginnt Oma ihre Geschichte vom gezähmten Fuchs zu erzählen, den sie in ihrer Kindheit im elterlichen Garten hatte. Und dann plötzlich: „Erzähl weiter“ – „Und was war dann“ – „Hast du Opa schon gekannt?“ Wie unwichtig da plötzlich der Kopfhörer war…
  • Hinter mir unterhalten sich zwei junge Männer, die irgendwann mal was sein wollen, über chinesische Wanderarbeiter, Rohstoffe, „Heavy Metal“ (= Stahlwerke), Transportbedingungen von China nach Rest-welt. Ich kenne zwar solche Gespräche, aber aus dem Zugrestaurant, wo sich 1. und 2. Klasse begegnen. Dass Firmen ihre Jungmanager und -globalisierer in der 2. Klasse fahren lassen, das ist mir neu. Auch ein Zeichen der Krise?
  • Drei Damen, irgendwo zwischen jugendlich und reif, bemühen sich um einen rundlichen Herrn mittleren Alters, er möge bei Ihnen doch Platz nehmen. Doch dieser ahnt scheinbar, dass hier gleich Prosecco fließen wird und – zieht weiter …

… und seit wann

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