Posts Tagged 'Tanztheater'

Tango und Tanztheater – ein Zusammenspiel auf der Bühne

Nun, grundsätzlich sehe ich den Bühnentango als etwas anderes an, als den Salontango. Den meisten dürfte das klar sein. Anstrengend wird’s, wenn der Bühnentango, oder das was Lehrer/Tänzer davon verstehen, auf die Salonpiste transferiert wird. Über die Missverständnisse und deren Folgen wird an vielen Stellen im Netz und auf Papier geschrieben.
Kambras
Das Stück „El Sonido de las Caricias“ ist ein Bühnenstück, das in einem Tangosalon, auf einer Milonga spielt. Da hat der Salontango seinen Platz. Schmucke Figuren für’s Auge, ich verspreche, da wird was geboten. Klassischer und anderer Tango. Für Momente. Und das Tanztheater hat auch seinen Platz in diesem Stück. Auch ein Text. Und ein Lied. Und…. Das Stück zeigt eine Entwicklung des Geschehens auf einer Milonga, und was an Performance geschieht geht mit dieser Entwicklung mit.

In einem der Ankündigungstexte heißt es: „Im Mikrokosmos (eines Tangolokals) aus Regeln, Sozialstrukturen und einem ganz eigenen Verständnis der Rollen von Mann und Frau entwickeln sich berührende Momente zwischen den Tänzern, die sich bei allen Einflüssen von Elementen des zeitgenössischen Tanzes oder des Schauspiels immer der Wurzeln des Tangos bewusst sind.“ (Tangoprojekt.com)
Der Tango als ein eigenes gemeinschafltiches Gefüge und Geflecht, wie es so nur im Salonleben (und drumherum) auftritt. Das ist sicher der interessanteste Aspekt, den ich als Salontangotänzer in diesem Stück gesehen habe. Ich habe in manchen Szenen bekannte Situationen aus meinem Tänzerleben wieder entdeckt – und mit Vergnügen gesehen, wie diese Ideen umgesetzt werden.

Das geht natürlich über die Aussage „Tango ist ein sozialer Tanz“ heraus, die vor ein paar Jahren unter Tangowahrheitsverfechter ihre Runde gemacht haben. In diesem Stück habe ich die Begründung für diesen Satz gefunden, den ich von Verfechtern besagten Satzes nie gehört habe.

Links zu dem Stück und der Tournee

Homepage der Tanzcompanie Kambras
Bei Tango-de auf Yahoo
Ebenso bei Facebook

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Tanztheater: Spuren

Was spüren wir, wenn wir mit unserem Gegenüber in Kontakt treten?

So beginnt der Begleittext zu diesem Tangotanztheaterstück von tangissimo und hierauf hat gerade der Tango seine Antworten. Zunächst der haptische Kontakt der sich berührenden Körperflächen, dann der emotionale Kontakt zwischen den Herzen. Und wenn diese Berührungen soweit wahr genommen werden, was können wir dann spüren, welche Wesensbegegnungen mögen wohl geschehen.
Die Neugier, wie drei Tänzer, die ich schon als hervorragende Tangotänzer kenne, diese Idee choreografisch und tänzerisch umsetzen mögen, zog mich zu dieser Aufführung.

Der Tango fordert die Hingabe zum Moment und zeigt direkt in der Bewegung, in welchem Verhältnis die Tanzenden zueinander stehen: harmonisch, verspielt, ernst oder gar tragisch. Er verschmilzt in einem Gespräch der Sinne zwei Menschen zu einer Form.

Claudia Grava, Veronica Litvak und Martin Birnbaumer tanzten meist zu zweit, der/die dritte nahm scheinbar unbeteiligt eine doch gewichtige Rolle am Rand ein. Mal mehr Modern Dance, mal mehr Tango suchten sie nach Bewegungswegen, nach Grenzen. Nähe, Weite, Möglichkeiten, Möglichkeiten der Variation. Mal in der Diagonale, mal auf dem Sofa, mal durch Boden oder durch Wand begrenzt. Und immer wieder schön: Sitztango mit den Händen.
Ich nahm große Bögen über die getanzten ca. 1 ¼ Stunden wahr, auch wenn ich bei sprunghaften Ausreißern befürchtete, dass der Faden nun gerissen sei. Er war es nicht.

Im Raum verbleiben unsichtbare Gebilde aus getanzten Gefühlen. Was passiert nun mit dieser Einheit, wenn sie sich wieder auflöst?

Das Zuschauen war eine Anforderung. Die Tanzszenen wechselten so schnell, dass ich mich entscheiden musste, nach den unsichtbaren Gebilden zu suchen oder auf die neue Sequenz zu achten. Spannend war ein Moment, als eines dieser Gebilde als Schatten in die neue Tanzfigur eindrang. Transformation.

Begegnungen hinterlassen Spuren, flüchtig wie Spuren im Sand, die mit der nächsten Welle verschwinden oder eben eingraviert sind in die eigene Existenz.

Wieder so ein spannendes Bild.
Spannend war, das Echo der Bewegungen noch im Raum zu sehen, genau: zu ahnen, während sich der Tanz an anderer Stelle schon fortsetzte. Und ich muss sagen, ja, manche Spuren haben sich im Gedächtnis gut eingegraben. Eine Freundin meinte danach: Da haben wir unseren Spiegelneuronen ja wieder Futter gegeben.

Spuren wurde 2008 und 2009 in Österreich, Schweiz und in Argentinien aufgeführt. Vielleicht hat einer der Leser ebenfalls eine der Aufführungen gesehen und möchte etwas dazu schreiben. Die Tänzer von Tangissimo arbeiten als Hochschullehrer, Tänzer und Lehrer im Tango Argentino. Ihre Tangoszene ist am Bodensee beheimatet.

Ob ich dies Stück ein drittes Mal ansehen möchte, möglicherweise. Der Eindruck hielt lange an und hatte sicher einen gewissen Einfluss auf meinen Namen Sohle, der semantisch den Spuren ja recht nahe steht.

Auf dieser Seite ist ein Demovideo zu sehen.
Eine Kritik zum Stück mit weiteren Informationen zu den Akteuren ist in der TangoDanza 1/2009 erschienen, S. 24/25.

Tangotanztheater: Stravaganza

Wenn man hierzulande von der Verbindung Tango Argentino und Theater redet, kommt man an ihnen nicht vorbei: Stravaganza, das extravagante Duo aus Berlin.
Tänzer, Lehrer und Performer des Tango.
Stravaganza01
Ich sah sie zum ersten mal in „Maria de Buenos Aires“ in der Komischen Oper und fand es einfach spannend zu sehen, wie sie sich in ihrem Tanz von dem mir vertrauten einfachen Tango Argentino entfernten und dann auch wieder zu ihm zurückkehrten. Was blieb, war die bescheidene aber interessante Einsicht „Aha, das kann man also auch im Tango machen“. In den folgenden Jahren habe ich sie ein paar mal mit Performances erlebt, auch wenn sie Shows genannt wurden. Mit Kraft, einer Spannung von Raubtieren gleich, Artistik, Verwirrung, vom tänzerischen Einmaleins mal gar nicht zu reden, fesselten sie die Aufmerksamkeit des Publikums. Eher Tanzduell als Tanzduo. In den Formen sah ich viel Persiflage zu den „Retortenbildern“ klassischer Tangoshowtänze. Sehr gut gefällt mir, wie sie Räume um sich aufbauen können in deren Spannung sie ihr Publikum mit einbeziehen. Es ist also die theatralische Art, Tangoshows zu gestalten, weswegen ich sie in die Rubrik Tangotanztheater aufnehme.
Stravaganza_fight
Des weiteren inszenieren sie auch mit anderen. Zwei mal durfte ich erleben, wie sie mit etwa 30 Tangotänzern eine kleine Geschichte gestalteten, eine Mischung aus Improvisation und getanzter Erzählung.

In einem Essay finde ich vieles, was mich zu Stravaganzas Tanz anspricht.


Ein Mann und eine Frau. Sie tasten einander ab aus der Ferne, sie fixieren, erkunden sich mit Blicken, die sich sehnen, fürchten, behaupten.

Dieser Tango spielt heute. Ein riskantes Spiel, in dem sich zwei Körper, zwei Seelen, zwei Menschen einander so offen zeigen, doch hierdurch erfinden sie etwas Neues, etwas Unerhörtes: Die Möglichkeit eines Daseins jenseits von Beherrschung und Unterwerfung, die Lust an der Anziehung ohne Verschmelzung, einer Trennung ohne Zerstörung. …

Mathias Greffrath via

Und sie selbst sagten einst:

„Wir nehmen uns die Freiheit, den Tango so zu tanzen, wie wir ihn gerne tanzen möchten. Für uns ist Tango ein Spiel, sich sehr nahe zu kommen, virtuos auszuweichen, und für Augenblicke verschmolzen zu sein. Deshalb entsteht unser Tanz von innen und ist für uns immer Tango total.“
Stravaganza via (ohne Jahresangabe)

Bühne frei

Tango und Bühne – das ist für einen Tanguero schon ein schwieriges Verhältnis. Ich könnte jetzt einiges schreiben, worüber ich eigentlich kein Wort verlieren möchte: Shows mit den Erzählthemen Schiff, Messer, Hure, Saccadafeuerwerke, geklonte Vorführungen, etc.
Ab und zu möchte ich nun von Bühnenwerken erzählen, die mich in den letzten Jahren nachhaltig beeindruckt haben. Wo der Tango nicht Inhalt sondern Mittel war, um etwas auszudrücken.

In den nächsten Wochen tourt nun die Truppe um Gonzalo Orihuela mit ihrem Stück „El Sonido de las Caricias – Der Klang der Zärtlichkeit“ durch die Lande.
Stuttgart, Luzern, St. Gallen, Halle Wuppertal, Hannover, Passau, Regensburg sind die Stationen.
Bei Gonzalo und Solange habe ich schon schöne Workshops gemacht, jetzt bin ich sehr gespannt auf ihr Tanztheaterstück.
Cassiel hat in der aktuellen Ausgabe von Tango Danza eine Vorbesprechung geschrieben.
Details zu den Terminen und Spielorten auf der Homepage. Luzern ist bereits ausverkauft!


… und seit wann

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