Posts Tagged 'Poesie'

Klang der Zärtlichkeit

Es ist nicht ganz einfach Gedanken zu einem Stück zu veröffentlichen, dass die meisten Vorstellungen noch vor sich hat. Einerseits: Wer liest das? Wieweit beeinflusse ich mit meinen Äußerungen die inneren Bilder der Zuschauer, die das Stück noch sehen wollen? Wieweit nehme ich den Weg vorweg, den das Stück mit dem Zuschauer geht?
Andererseits: El Sonido de las Caricias (SDLC) löst noch Tage nach der Vorstellung in mir ein Kopfkino aus und hat eine angenehme Nachwirkung. Dies wünsche ich möglichst vielen Mitmenschen. Am Ende der Tour füge ich vielleicht den ein oder anderen konkreten Zusatz bei.
Sonido de la caricia
Die beiden Wörter „Tanztheater“ und „Gonzalo“ lösten in mir eines aus: Alles für einen Besuch möglich zu machen (immerhin mit über 200km Fahrt verbunden) und im Vorfeld nichts über das Stück, den Hintergrund in Erfahrung bringen. Zu gut erinnerte ich mich noch an die Shows in Halle, an die Kreativität von Solange & Gonzalo, und war überrascht, Elemente davon in El SDCL wieder zu erkennen.
Mich erwartete aber wirklich keine Show – auch wenn Showelemente Bestandteil des Stückes sind. Tango ist hier nicht Inhalt sondern Medium, um eine Geschichte zu erzählen. Über den Tango. Über eine Sichtweise des Tango. Über Facetten des Tango. Facetten des Lebens. Themen der Bühne, neu gespielt.

Manchmal überschlägt sich die Sprache, schafft einen Satz nicht zu Ende, punktiert, stottert, schmeißt gerade mal ein kurzes Gestenphonem oder Bewegungsmorphem ein und – verliert sich plötzlich wieder in der Weite endloser Adjektivierungen ohne einen Punkt zu finden. Mal schreien Schritte sich in den Mittelpunkt, mal geschehen die entscheidenden Dinge flüsternd oder lallend am Rande. Manchmal geschehen diese Stränge parallel und es lohnte sich für mich, auch die Ecken der Bühne im Blick zu behalten, dort, wohin gerade kein Scheinwerfer hinleuchtete. Was dort geschah führte mich klarer zu den nachfolgenden Szenen hin. Was aber nicht verhinderte, dass ich mich mindestens einmal gewaltig täuschen ließ. Und mir zeigte, dass dieses Stück ganz gehörig die Klaviatur der Emotionen bedient.

Klang der Zärtlichkeit erzählt von einer Suche. Ob und wo der Zuschauer ihn findet, wird an dieser Stelle nicht verraten.
Nach der Vorstellung und einer Umbaupause gab es noch eine Milonga, auf der die Akteure sich äußerst publikumsnah zeigten. Sie waren im persönlichen Gespräch genauso da, wie als Tangueros auf der Piste.
Einen Tipp möchte ich den Zuschauern noch geben: Erfreulicherweise wird der Text in deutscher Übersetzung auf eine Leinwand geblendet. Es lohnt sich, bei der Platzwahl diese Leinwand im Blick zu haben.
Was gäbe es noch zu erzählen: Gute Gastgeber, sauber arbeitendes Licht und Ton, Akteure des Stückes, die vor der Aufführung die Bar entlasteten, indem sie bedienten.
Dass das Wort „herausgeputzt“ mehr als einmal auftauchte, gehört jetzt mal zu einer ganz persönlichen Bloganekdote. 🙂

Zeitungsartikel
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Gedanken zum Dreikönigstag

Liebe Tangofreunde,

zum Dreikönigsabend und als Abschluss der stillen Zeit „zwischen den Jahren“, wo man ein bisschen zum Nachdenken kommt, hier ein paar Gedanken zum Thema.
Ich freue mich auf eine Neues Tango-Jahr mit Euch!

Sabine

Tango – Gedanken nach sechzehn Jahren Erfahrung

TANGO ist ein Tanz, aber er ist vor allem:

Eine Haltung.

Das bedeutet nicht nur die Tanzhaltung: Gerade, aufrecht, selbstbewußt – offen, die Umarmung anbietend bzw. annehmend, dem Partner einschränkungslos zugewandt. Es bedeutet auch eine Lebenshaltung: Ich biete mich einem anderen an, um mit ihm gemeinsam etwas Schönes zu erleben.

Respekt

Ich tanze den Tango mit Respekt:

  • vor der wunderbaren Musik:
    Ich versuche sie zu verstehen und zu interpretieren, wie es ihr entspricht. Ich tanze nur die Figuren, die zu dieser speziellen Musik passen, ich mache Pausen, wo sie zögert, um danach die Spannung in Dynamik aufzulösen,
  • vor meinem Partner:
    Ich zwinge ihm nichts auf, ich biete ihm etwas an und warte gespannt, wie er reagiert, was er aus meinem Angebot macht,
  • vor den Anderen auf der Tanzfläche:
    auf die ich achte, zu denen ich Abstand halte, deren Raum ich nicht durch meine Selbstverwirklichung beschneide,
  • vor mir selbst:
    Ich tanze nur mit wem, wie und und wie lange ich wirklich möchte.

Arbeit.

Man kann zehn komplizierte Figuren in zwei Stunden lernen, aber man braucht zehn Jahre, um richtig zu gehen – sagen die argentinischen Tangueros. Ihre konzentrierte Ruhe auf der Tanzfläche und das Glück in den geschlossenen Augen, dem lächelnden Mund Ihrer Partnerinnen sprechen für sich.

Auf vielen europäischen “Pisten” dagegen wähnt man sich in einem Fitness-Studio: Da wirbeln, zwirbeln, zerren athletische Kerle mit verbissenen Visagen ihre Frauen in irren Verrenkungen über’s Parkett, Konkurrenten gnadenlos beiseite walzend, triumphierend erst, wenn alle herschauen und sich keiner mehr in ihre Nähe wagt. Den Frauen steht die Angst vor der nächsten akrobatischen Aktion ins Gesicht geschrieben. Der Tango, auf den solchermaßen Leistungswahn, Exhibitionismus und Konkurrenzgebaren übertragen werden, wird auf diese Weise tödlich verletzt. Er kann nur gerettet werden durch Weglassen.

Vergesst alle Figuren. Lernt gehen, Schritt für Schritt mit der Musik. Haltet inne, macht Pausen. Fühlt den Herzschlag des anderen. Atmet langsam, atmet den Duft der Musik ein und den eures Partners, geht weiter, klar und exakt, Schritt für Schritt, und wenn ihr ganz harmonisch seid, dann könnt ihr beginnen zu drehen, zu experimentieren, erst dann. Zusammen richtig zu gehen, exakt, klar, mit sich selbst, dem Partner und der Musik im Einklang, bedarf langer Arbeit, es ist eine quasi philosophische Übung. Wenn das gelingt, kommt alles weitere leicht – und entspannt.

Poesie und Liebe.

Jeder, der mit dem Tango anfängt, weil man sich da so nah kommt und eventuell jemanden aufreissen kann, wird ihn sehr schnell entnervt verlassen, weil er die Bedeutung dieser speziellen Nähe nicht verstanden hat. Es ist eben nicht die vertikale Annäherung an einen horizontalen Wunsch, sondern ein Ausdruck von Eros in einem ganz umfassenden Sinn: Liebe zum Leben, dessen ganzes Spektrum die Musik enthält – Traurigkeit über Versagen und Verluste (all die Tangos in moll), Beschwingtheit (Vals), überschäumende Lebenslust (Milonga). All dies teilt man mit verschiedenen Partnern, und wenn man die richtigen Antennen füreinander hat, wenn Können und Musikalität übereinstimmen, kann ein sehr intensives, kurzes gemeinsames Glück entstehen – das gutem Sex nicht unähnlich ist, aber viel einfacher, schneller und gefahrloser zu erreichen. Was zwei harmonisierende Tanzpartner verbindet, auch wenn sie niemals ein Wort miteinander gewechselt haben, ist ein “Eso es!”, das Gefühl von Freundschaft, Wohlgefühl und einer tief befriedigenden Übereinstimmung.

Ziel des Tango ist es, die Frau glücklich zu machen (Xavier R.)
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Venceremos!


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