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Mas Tango und menor invierno

War der Film „Mas Tango“ eigentlich mal im Kino? Er geht der beliebten Frage „Was ist Tango?“ nach, ein älteres Salontänzerpaar und ein junges, wildes Paar kommen ausführlich zu Wort und ins Bild, zudem die Musiker von Otros Aires, San Telmo Lounge und Carlos Libedinsky und noch ein Tänzer. Schöne Tanzszenen und ein paar nette Zitate, die mir gefallen und ich sie deswegen gerne wiedergebe:
Das alles übrigens, weil der Winter sich in seinen letzten Tagen noch einmal mit dick vereisten Straßen und Schneeverwehungen verabschiedet hat – die Fahrt in die Milonga war unmöglich, so packte ich ein paar Filme aus, wie eben diesen.

Salontango ist irgendwie fade. Man kann sich nicht aus der Umarmung lösen. Dieser neue Tango dagegen ist ganz anders. Es bedeutet, sich zu befreien und mit allen Möglichkeiten zu tanzen, die dir dein Körper gibt. Ich denke nicht, dass wir den Tango mit Modern-Dance oder Ballett mischen, wir bewegen uns einfach außerhalb dieser Struktur ohne den Tango zu verlassen.

Der Salontango ist für mich das Schönste, das ein Tänzer mit einer Frau erleben kann, die zu tanzen weiß, mit einer Umarmung, mit Gefühl. Und wenn dir das Lied auch noch gefällt, tanzt du noch besser. Das Wichtigste ist die Musik, der Rhythmus des Tango. Mit drei Schritte hast du die fundamentale Basis, danach läuft’s von allein. Was du dir einhämmern musst, ist die Musik, um den Takt des Tango zu verinnerlichen.

Oh, der Tango und die Liebe! Ich würde sagen, der Tango und die Tragödie! Der Tango und der Schmerz, der Tango und das Leid.

Ja, der Tango ist Liebe, aber nicht so sehr, wie de Leute glauben. Der Tango gibt dir etwas und in 45 Sekunden nimmt er es dir wieder. Denn du kannst dich verlieben, heiraten, und eine lange Ehe führen, aber du kannst auch tanzen gehen und dir passiert in 30 Sekunden, in einem Tanz, was dir in 30-40 Jahren Ehe nicht passiert ist.

Man sagt, nicht du wählst den Tango sondern der Tango wählt dich. Ich bin gekommen, um ihn zu finden.

In den Tango habe ich mich verliebt. Und ich bin gekommen, um ihn zu finden.

Im Tango hat sich viel geändert. Bei der Haltung von Mann und Frau. Wir versuchen nicht die Folklore-Haltung zu imitieren, wir sprechen hier von anderen, aktuelleren Werten. Die Verbindung durch die Umarmung ist anders und die Frau ist nicht mehr so passiv wie früher. Die Rolle der Frau ist aktiver geworden, und das gefällt ihr.

Es sind einfach neue, urbane Klänge: Buenos Aires-Musik.
Wenn der Tango die urbane Musik schlechthin ist und die Stadt dich immer wieder verändert, ihre Klänge und auch die Menschen, dann verändert sich eben auch der Tango.

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Gedanken zum Dreikönigstag

Liebe Tangofreunde,

zum Dreikönigsabend und als Abschluss der stillen Zeit „zwischen den Jahren“, wo man ein bisschen zum Nachdenken kommt, hier ein paar Gedanken zum Thema.
Ich freue mich auf eine Neues Tango-Jahr mit Euch!

Sabine

Tango – Gedanken nach sechzehn Jahren Erfahrung

TANGO ist ein Tanz, aber er ist vor allem:

Eine Haltung.

Das bedeutet nicht nur die Tanzhaltung: Gerade, aufrecht, selbstbewußt – offen, die Umarmung anbietend bzw. annehmend, dem Partner einschränkungslos zugewandt. Es bedeutet auch eine Lebenshaltung: Ich biete mich einem anderen an, um mit ihm gemeinsam etwas Schönes zu erleben.

Respekt

Ich tanze den Tango mit Respekt:

  • vor der wunderbaren Musik:
    Ich versuche sie zu verstehen und zu interpretieren, wie es ihr entspricht. Ich tanze nur die Figuren, die zu dieser speziellen Musik passen, ich mache Pausen, wo sie zögert, um danach die Spannung in Dynamik aufzulösen,
  • vor meinem Partner:
    Ich zwinge ihm nichts auf, ich biete ihm etwas an und warte gespannt, wie er reagiert, was er aus meinem Angebot macht,
  • vor den Anderen auf der Tanzfläche:
    auf die ich achte, zu denen ich Abstand halte, deren Raum ich nicht durch meine Selbstverwirklichung beschneide,
  • vor mir selbst:
    Ich tanze nur mit wem, wie und und wie lange ich wirklich möchte.

Arbeit.

Man kann zehn komplizierte Figuren in zwei Stunden lernen, aber man braucht zehn Jahre, um richtig zu gehen – sagen die argentinischen Tangueros. Ihre konzentrierte Ruhe auf der Tanzfläche und das Glück in den geschlossenen Augen, dem lächelnden Mund Ihrer Partnerinnen sprechen für sich.

Auf vielen europäischen “Pisten” dagegen wähnt man sich in einem Fitness-Studio: Da wirbeln, zwirbeln, zerren athletische Kerle mit verbissenen Visagen ihre Frauen in irren Verrenkungen über’s Parkett, Konkurrenten gnadenlos beiseite walzend, triumphierend erst, wenn alle herschauen und sich keiner mehr in ihre Nähe wagt. Den Frauen steht die Angst vor der nächsten akrobatischen Aktion ins Gesicht geschrieben. Der Tango, auf den solchermaßen Leistungswahn, Exhibitionismus und Konkurrenzgebaren übertragen werden, wird auf diese Weise tödlich verletzt. Er kann nur gerettet werden durch Weglassen.

Vergesst alle Figuren. Lernt gehen, Schritt für Schritt mit der Musik. Haltet inne, macht Pausen. Fühlt den Herzschlag des anderen. Atmet langsam, atmet den Duft der Musik ein und den eures Partners, geht weiter, klar und exakt, Schritt für Schritt, und wenn ihr ganz harmonisch seid, dann könnt ihr beginnen zu drehen, zu experimentieren, erst dann. Zusammen richtig zu gehen, exakt, klar, mit sich selbst, dem Partner und der Musik im Einklang, bedarf langer Arbeit, es ist eine quasi philosophische Übung. Wenn das gelingt, kommt alles weitere leicht – und entspannt.

Poesie und Liebe.

Jeder, der mit dem Tango anfängt, weil man sich da so nah kommt und eventuell jemanden aufreissen kann, wird ihn sehr schnell entnervt verlassen, weil er die Bedeutung dieser speziellen Nähe nicht verstanden hat. Es ist eben nicht die vertikale Annäherung an einen horizontalen Wunsch, sondern ein Ausdruck von Eros in einem ganz umfassenden Sinn: Liebe zum Leben, dessen ganzes Spektrum die Musik enthält – Traurigkeit über Versagen und Verluste (all die Tangos in moll), Beschwingtheit (Vals), überschäumende Lebenslust (Milonga). All dies teilt man mit verschiedenen Partnern, und wenn man die richtigen Antennen füreinander hat, wenn Können und Musikalität übereinstimmen, kann ein sehr intensives, kurzes gemeinsames Glück entstehen – das gutem Sex nicht unähnlich ist, aber viel einfacher, schneller und gefahrloser zu erreichen. Was zwei harmonisierende Tanzpartner verbindet, auch wenn sie niemals ein Wort miteinander gewechselt haben, ist ein “Eso es!”, das Gefühl von Freundschaft, Wohlgefühl und einer tief befriedigenden Übereinstimmung.

Ziel des Tango ist es, die Frau glücklich zu machen (Xavier R.)
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Venceremos!


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