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Peter Ludwig: Musiker, Komponist, Arrangeur, begleitet vom Tango

Von ihm hörte ich Ende der 70er die ersten Tangoklänge, eine seiner vielen Kompositionen. Aus der heutigen Sicht des Tango argentino Tänzers war es konzertanter Tango und Peter Ludwig selber sagt „Zu dieser Zeit, … konnte man einfach nirgends Tangoplatten kaufen. Wir haben unsere Musik einfach so genannt, weil wir dachten, dass das wahrscheinlich Tangos sind. Es ging uns also mehr um die Idee, die Philosophie des Tangos und nicht unbedingt nur um die Musikform..“
Seit dieser ersten Begegnung nähere ich mich immer wieder seinen Konzerten und Aufnahmen, sei es solo, mit den Cellistinnen Anja Lechner bzw. Sissi Schmidhuber, dem Trio à trois oder dem Trio Obscur.
Eine Zeitlang hörte man die Titel „Cäsar“ oder „Merlin’s Sax“ als Non-Tango auf den Milongas.

Mir gefällt an seiner Musik die Form des Duo oder Trios, der kleinsten Einheiten von (klassischer) Kammermusik. Es zieht mich immer wieder in Bann, wenn ich den Stimmen und Melodieführungen der Instrumente folge, wie sich ineinander begleiten, verweben oder kontrastieren, mit welcher Feinheit aufeinander gehört und eingegangen wird. Sehr persönlich durch die Musiker zum einen, im Dienste der Komposition bzw. des Komponisten zum anderen. (Bei dieser Wahrnehmung beziehe ich mich auf Konzerterfahrung, eine Aufnahme macht dies in Ansätzen aber auch verständlich).

Als Tänzer erlebe ich die Musik wie auch den Tanz gerne und intensiv, wenn ich mich als zusätzliches Instrument begreife, das die Musik ergänzt. Wenn mein tanzender Körper dem Quartett eine 5. Stimme, dem Quintett eine 6. Stimme gibt. So oder ähnlich hat mir das einmal einer meiner Tangolehrer nahe gelegt. Das Hören von Streichquartetten verstärkt meine Tanzintensivität. Leider besuche ich zu selten solche Konzerte.

Ein ausgedehntes Radiogespräch brachte mir vor einigen Monaten den Musiker etwas näher. Ich transkribiere im Folgenden seine Aussagen über den Tango, die für die Leser, die ich zum Großteil als Tänzer oder Interessierte des (klassischen) Tango Argentino vermute, etwas mehr interessieren. Das gesamte Gespräch bekommt man als Podcast beim Bayerischen Rundfunk

„Der Tango ist rein geschichtlich ein Ergebnis von vielen Menschen, die Europa verlassen haben und nach Argentinien gegangen sind, da sind sicher auch viele Musiker dabei gewesen.
Die Instrumentation dieser Orchester, Bandoneon, Klavier, Geige, Kontrabass, das sind alles europäische Instrumente, auch die Harmonik ist absolut europäisch. Das Rhythmische, das finden Sie bei Mozart, Bartok, Brahms, Beethoven, überall. Die klassische Musik ist der Nährboden dieser Musik.
Das Bandoneon lasse ich notgedrungen aus meinen Kompositionen und Ensembles weg. Die Bandoneonspieler, die ich hier kenne, sind nicht gut genug. Das Bandoneon wurde im Ruhrgebiet erfunden, um die Grubenarbeiter, die verschüttet waren und zu Tode gekommen sind, die kein Geld für eine Beerdigung in einer Kirche hatten, mit einem tragbaren Harmonium zu beerdigen. Um jeden Hauch von Unterhaltung aus diesem Instrument zu nehmen hat dieses Instrument kein Vibrato. Dieses süße Vibrato. Der Ton ist glasklar. Das ist der Grund, warum es ein Bandoneon gibt, von Heinrich Band erfunden.

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