Archive for the 'Tonfüße' Category

Tango CD-Besprechung im Deutschlandradio

Eben werde ich darauf aufmerksam,
dass das Deutschlandradio Kultur in dieser Woche unter Rubrik „Musikbesprechung“ jeden Tag eine Tango CD bespricht.
Und dies leite ich meinen geschätzten LeserInnen gerne weiter.
Wann genau?
Einfach mal die Vorschau anklicken und durchscrollen oder über die Suchfunktion den Sendeplatz erfahren.
http://www.dradio.de/dkultur/vorschau/

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Wochenendklänge: Beautiful Tango (Hindi Zahra)

Auf Hindi Zahra wurde ich erstmals in einem Beitrag bei Elbnymphe aufmerksam. Sie beschrieb die Musikerin als Highlight des recht heterogenen Radionachtprogramms während einer nächtlichen Automitfahrt durch halb Deutschland, wenn ich recht erinnere.
Beautiful Tango wurde für mich zum Ohrwurm der letzten Monate. Einfach so schön!
Zu Hause läuft das ständig und ich lasse keine Möglichkeit aus, dieses Song auf Milongas, Tangofrühstücks etc. aufzulegen. Der Effekt: Keiner bleibt sitzen, die Tanzfläche ist voll und ich werde rasch gefragt, was das denn für ein Stück sei. Wer keinen Tangopartner findet lässt sich lieber alleine von der Musik bewegen als wartend herum zu sitzen.
Ein wunderbares Stück.
Kein Tango. Aber tanzbar.
Der Bluescharakter ist stark.

„Wie bei einem marokkanischen CousCous: alles kommt rein und wenn man die richtige Dosierung findet, passt es dann passt es auch tatsächlich zusammen.“ sagt sie in einem Interview. Vielleicht nicht alles aber zumindest Sintimusik, Jazz, afrikanischer Polyrhythmus, die Musik der Berber. Als Nomadin zwischen Orient und Okzident bezeichnet sie sich, ihre familiären und auch künstlerischen Wurzeln liegen in beiden Regionen (auch wenn diese Gegenüberstellung heute nicht mehr so gültig ist wie Ende des 19. Jahrhunderts).

Interview „Die Presse“
Interview „Le Parisien“
Interview Deutschlandfunk

Dass Stand up, ebenfalls aus dem Debutalbum Handmade in der Werbung angekommen ist, habe ich erst im Laufe der Entstehung dieses Beitrags erfahren. Vielleicht sehen Tangotänzer keine Fernsehwerbung, statt dessen tanzen sie auch auf dieses Stück lieber als auf dem Stuhl oder an der Bar zu bleiben.

Wochenendklänge: Coultergeist

Dieses Stück aus Phil Coulters CD Highland Cathedral – so eine Art schottische Messe – ist irgendwie durch experimentierende DJs in die Milongas gekommen und aus einem mir nicht erklärbaren Grund dort auch geblieben. Eine leichtläufige, meist einstimmige Klaviermelodie im 2/4 mag nach nichts Aufregendem klingen. Der Pfeffer sind die abrupten Pausen, die ganz plötzlich bei Hörern, Tänzern und auf der Tanzfläche eine Spannung erzeugen, die rasch wieder aufgelöst wird. Eine dem Original halbwegs nahe kommende Fassung ist hier von einem Menschen namens 25dec18
Er schreibt, die Noten seien recht leicht per Selbststudium zu erlernen.

Aber eigentlich würde ich dieses Stück hier gar nicht erwähnen, hätte ich es nicht kürzlich auf der neuen CD von Las Sombras wieder entdeckt. Die Aufnahme mit dieser komischen Melodica, ist erfrischend und gefällt mir einfach gut, zahlreiche Tanzflächen haben sie schon gerne angenommen.

Wochenendklänge: Réné Aubry

Auf den Komponist, Musiker, Toningenieur René Aubry wurde ich einst beim Modern Dance aufmerksam.

Rene Aubry

René Aubry

Welch Überraschung, vor vielen Jahren den Titel Chalouppe auf einer Milonga wieder zu hören. Beim ersten Hören fällt die von einer Bouzouki gespielten gebrochene Melodie auf. Später hörte ich die Pausen, die z.T. einen verwirrenden ewigen ganzen Takt lang dauern, aber der durchgehende 4/4-Takt, meist von einer Gitarre mit sanfter Unterstützung einer Tuba gespielt ist das Gerüst, das Tänzer in Modern, beim Ballett und eben auch auf Milongas hält. Und das ist das, was mir auch bei vielen anderen Stücken gefällt: gezupfte Saiten, manchmal kurze Blechblastöne, scheinbare Verwirrung und ein klares Metrum.
Chalouppe lege ich schon lange nicht mehr auf, ich habe es einfach zu oft gehört. Favoriten sind derzeit Noel aux Balkans, Salento, Vodka m’interesse und Sirtaki à Helsinki. Das sind Stücke, die im Metrum klar sind und im Tempo zulegen. Das verlangt von den Tänzern einiges. Sie sollten bei Rene Aubry über Non-Tango keinesfalls überrascht sein und es sollte eine Klarheit auf der Tanzfläche vorherrschen. Dann ist ein Aubry-Titel ein schöner Abschluss einer Non-Tango Tanda. Schon oft habe ich mir meine Aubrys zurechtgelegt und musste sie lassen.

Die CDs sind meist in Abteilungen für moderne Klassik zu finden. Ich habe den online-Einkauf bevorzugt, da mir beim Probehören auf jeder CD nur wenige Stücke milongatauglich erschienen.
Aber Aubry komponiert und spielt vielseitiger als hier beschrieben, die Stücke sind meist für Tanz, Theater und Film, ein Teil seiner Stücke ist veröffentlicht. Wenn er die Bühnenrampe sucht, dann nicht wegen Scheinwerfer und Kameras sondern wegen der Suche nach neuen Horizonten der Musik. Er schafft eine Alchemie aus Klang und Melodien, die einen anzieht aber auch aus der Bahn wirft. Wenn Musik unsere Herzen auswringt, so Yves Simon, dann um uns daran zu erinnern, dass Leben begeistern kann. Womit wir wieder beim Tango wären.

Wochenendklänge: Peyman Yazdanian

In einer neuen Artikelreihe werde ich Komponisten und Interpreten vorstellen, die ich gerne auf Milongas höre und tanze. Aber Vorsicht! Es handelt sich um sogenannten Non-Tango, also Musik, die definitiv nicht für Tangohörer, -musiker oder -tänzer geschrieben wurde. Musik, die ich gerne zwischendurch als getanzte Cortina, gegen Ende einer Milonga als Tanda auflege und man sich dann durchaus fragen darf, ob man die Veranstaltung dann noch Milonga nennen kann. Musik, die ich als Bereicherung von Milongas verstehe. Musik, die manchmal schnellen Moden unterworfen ist, und sich im Ohr verbraucht. Tango for Evora

z.B. oder den Schostakovitch-Walzer aus der Suite für Varieté-Orchester will ich einfach nicht mehr hören. Aber schön war’s halt doch.

Der Auftakt führt geografisch nach Osten und bindet dessen Wurzeln mit ein.

Wie mag wohl ein Tango eines iranischen Musiker und Komponisten klingen? Diese Frage stellte sich noch nicht, als ich Peyman Yazdanians Musik das erste Mal hört – auf der Premiere des deutschen Heimatfilms Full metal village von Sung-Hyung Cho. Ich durfte den Soundtrack

mitnehmen und konnte bei jedem Milonga-Einsatz beobachten, dass sich dabei die Stühle leeren und die Tanzfläche sich füllt.
Ich entdeckte weiter einige Juwelen für die, die sich gerne auf lyrische Melodien einlassen. Streicher, Gitarren oder Oboen zeichnen feine Linien, rhythmisch manchmal durchaus komplex. Sie erinnern mich irgendwie an das bekannte Yumeji’s Theme von Shigeru Umebayashi (der sich eigentlich als Rockmusiker versteht, kaum zu glauben). Stücke voller schlichter Poesie.
Die CDs sind bei Hermes erschienen, meine Favoriten sind Tango, Bazaar (¾) und Soundtrack of Bright Nights, Pt. 11. sowie weiteres von den CDs Themes und und Second Take. Mehr als zwei Titel verwende ich nicht während einer Milonga. Mit Peymans Stücken kann ich mit Ruhe auf Wildheit reagieren oder ruhige Momente noch ein wenig durch Verdichtung verlängern.
Peyman arbeitet in Teheran hauptsächlich als Filmkomponist, komponiert aber auch Klavierstücke und tritt als Konzertpianist auf.

Mir macht es Freude, eine schöne Tanzfläche zu gestalten. Dies gelingt mit dieser Musik, natürlich nur wenn sie passend eingesetzt wird. Selber habe ich bis jetzt kaum dazu tanzen können, da ich die Titel nur auf meinen eigenen Veranstaltungen höre und mein wichtigster Platz nun mal hinter dem DJ-Pult ist, besonders bei solch sensiblen Momenten.


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