Archive for the 'Hergeflogen' Category

Tango und Fußball

Es ist nicht zu übersehen: Der Fußball wirkt in diesen Tagen nicht nur auf das öffentliche Leben, er lässt auch beim Tango seine Spuren. In diesen Wochen scheint es nicht ganz so volle Tanzflächen zu geben …
Ich verweise mit Vergnügen auf einen Artikel, den ich vor 4 Jahren geschrieben habe. Vor dem Ball ist nach dem Ball
Ein weiterer Ansatz, den Fußball in eine Tangoshow mit hinein zu nehmen, gestalten hier Enrique und Judita (El sueno del pibete)

Auf Facebook habe ich noch dieses sehr nette Video entdeckt.
Tangosommer
von Giovanni Pandullo.

Advertisements

Peter Ludwig: Musiker, Komponist, Arrangeur, begleitet vom Tango

Von ihm hörte ich Ende der 70er die ersten Tangoklänge, eine seiner vielen Kompositionen. Aus der heutigen Sicht des Tango argentino Tänzers war es konzertanter Tango und Peter Ludwig selber sagt „Zu dieser Zeit, … konnte man einfach nirgends Tangoplatten kaufen. Wir haben unsere Musik einfach so genannt, weil wir dachten, dass das wahrscheinlich Tangos sind. Es ging uns also mehr um die Idee, die Philosophie des Tangos und nicht unbedingt nur um die Musikform..“
Seit dieser ersten Begegnung nähere ich mich immer wieder seinen Konzerten und Aufnahmen, sei es solo, mit den Cellistinnen Anja Lechner bzw. Sissi Schmidhuber, dem Trio à trois oder dem Trio Obscur.
Eine Zeitlang hörte man die Titel „Cäsar“ oder „Merlin’s Sax“ als Non-Tango auf den Milongas.

Mir gefällt an seiner Musik die Form des Duo oder Trios, der kleinsten Einheiten von (klassischer) Kammermusik. Es zieht mich immer wieder in Bann, wenn ich den Stimmen und Melodieführungen der Instrumente folge, wie sich ineinander begleiten, verweben oder kontrastieren, mit welcher Feinheit aufeinander gehört und eingegangen wird. Sehr persönlich durch die Musiker zum einen, im Dienste der Komposition bzw. des Komponisten zum anderen. (Bei dieser Wahrnehmung beziehe ich mich auf Konzerterfahrung, eine Aufnahme macht dies in Ansätzen aber auch verständlich).

Als Tänzer erlebe ich die Musik wie auch den Tanz gerne und intensiv, wenn ich mich als zusätzliches Instrument begreife, das die Musik ergänzt. Wenn mein tanzender Körper dem Quartett eine 5. Stimme, dem Quintett eine 6. Stimme gibt. So oder ähnlich hat mir das einmal einer meiner Tangolehrer nahe gelegt. Das Hören von Streichquartetten verstärkt meine Tanzintensivität. Leider besuche ich zu selten solche Konzerte.

Ein ausgedehntes Radiogespräch brachte mir vor einigen Monaten den Musiker etwas näher. Ich transkribiere im Folgenden seine Aussagen über den Tango, die für die Leser, die ich zum Großteil als Tänzer oder Interessierte des (klassischen) Tango Argentino vermute, etwas mehr interessieren. Das gesamte Gespräch bekommt man als Podcast beim Bayerischen Rundfunk

„Der Tango ist rein geschichtlich ein Ergebnis von vielen Menschen, die Europa verlassen haben und nach Argentinien gegangen sind, da sind sicher auch viele Musiker dabei gewesen.
Die Instrumentation dieser Orchester, Bandoneon, Klavier, Geige, Kontrabass, das sind alles europäische Instrumente, auch die Harmonik ist absolut europäisch. Das Rhythmische, das finden Sie bei Mozart, Bartok, Brahms, Beethoven, überall. Die klassische Musik ist der Nährboden dieser Musik.
Das Bandoneon lasse ich notgedrungen aus meinen Kompositionen und Ensembles weg. Die Bandoneonspieler, die ich hier kenne, sind nicht gut genug. Das Bandoneon wurde im Ruhrgebiet erfunden, um die Grubenarbeiter, die verschüttet waren und zu Tode gekommen sind, die kein Geld für eine Beerdigung in einer Kirche hatten, mit einem tragbaren Harmonium zu beerdigen. Um jeden Hauch von Unterhaltung aus diesem Instrument zu nehmen hat dieses Instrument kein Vibrato. Dieses süße Vibrato. Der Ton ist glasklar. Das ist der Grund, warum es ein Bandoneon gibt, von Heinrich Band erfunden.

Es wird viel geschrieben über den Tango

Über Tango zu schreiben, das hat durchaus seinen Reiz. Ich für mich würde sagen, der Antrieb zu schreiben kommt von dem Wunsch, durch Sprache das Nichtsprachliche noch einmal neu verstehbar zu machen. Zu entdecken, wieviel lässt sich versprachlichen, um dann zu sehen, was im Nichtsprachlichen bleibt. Und wenn dann ein wenig Erkenntnis übrigbleibt, nun, warum nicht.

Der Tango bietet sich natürlich hervorragend an, Musik und Tanz sind nunmal komplett nichtsprachlich, und drängen nach sprachlicher Reflexion. Den einen mehr, den anderen weniger, meist im Gespräch, gerne als Monolog (leider), und manche schreiben eben auch. Bekannt sind Blogs (wie dieser hier, es gibt nicht all zu viele in deutscher Sprache) oder Beiträge in Tangoforen. Natürlich kann kein Mensch die Menge der besonders englischsprachigen Blogs, von den schwedischen ganz zu schweigen, verarbeiten, aber ich werfe immer wieder gerne einen gelegentlichen Blick in den ein oder anderen Beitrag anderer Tangoschreiber. Mit der Zeit wird man dann auch mit den jeweiligen Schreibstilen vertraut, die zum Teil wirklich sehr unterschiedlich sind und so wird man bei dem ein oder anderen eben zum häufigeren Hinklicker.

Ich möchte hier gerne auf schreibende Kollegen aufmerksam machen, die ich eher per Zufall entdeckt habe und auch sonst in meinem Wahrnehmungskreis nirgends groß in Erscheinung treten. Anlass zu diesem Beitrag sind zwei schöne englischsprachige Blogs, die mir in den letzten Tagen begegnet sind.
http://tangoaddiction.wordpress.com

http://borastangojourney.com

Beide machen sich einfach ihre Gedanken zu ihren Erfahrungen bzw. Tangoweisheiten. In dem Zusammenhang gefallen mir z.B. die Tangomythen von Bora.
Ganz direkt zum Thema Tango Lernen gibt es Malevas Seite mit Anfragen und antworten, z.B. „Liebe Maleva, ich bin 18 Jahre alt. Bin ich zu jung um Tango zu tanzen?“, auch einen schönen Beitrag von Ney Melo über Etiquette. Beides kann man natürlich auch kräftig diskutieren, was ist notwendig, was ist zeitgemäße Folklore, etc.

Manchmal erhalte ich recht ansehnliche newsletter von Menschen, die gerne schreiben oder „nebenbei“ ihre Veranstaltungen bewerben. So finde ich im Newsletter von Tango am Bodensee immer wieder nette Beiträge über den Tango als solchen, über das Tangolernen, bzw. was man nicht lernen kann oder auch über das männliche Knie. Ein Archiv gibt es leider nicht.

Peter Ripota hat nicht nur ein Tangobuch geschrieben, das er in Auszügen auf seiner Homepage vorstellt, seine newsletter touchieren gelegentlich Tango und Tanzen. Warum Männer nicht tanzen
(können, wollen, dürfen, sollen, müssen) findet sich noch im Archiv, leider nicht (mehr) der Beitrag mit dem anreizenden Titel Vom Sinn und Unsinn der Tandas, Cortinas etc. Dafür muss man wohl die Zeitschrift „el tango“ besorgen.

Und einfach immer wieder schön ist die Auswahl an Musiken, Filmchen, Glossen von Caren, 42.
Übrigens: Ob Blogger oder Newsletter-Autor: Alle hören und lesen gerne ein kleines Feedback zu ihren Beiträgen. Ob das ein kleine Nettigkeit ist oder viel lieber eine inhaltliche Beschäftigung.

Hinter den Dünen

Das ist für mich die Zeit, Wellen und Wolken zu folgen und sie zu betrachten. Vielleicht lande ich sogar noch hinter den Dünen, ganz sicher aber im Geiste.

Euch, liebe Leser und Leserinnen einen schönen Sommer und sommerliche Tänze.

Vor dem Ball ist nach dem Ball

Tango und Fußball? Muss sein, also bringen wir’s hinter uns.
Für mich als europäischen Tanguero passen der derbe Sport und die feinfühlige Bühnenkunst ja höchstens spaßeshalber zusammen. Sicher mag hier der ein oder andere die Nase rümpfen und sich fragen, Muss das sein? Ich habe den Eindruck, ein Argentinier egal welchen Alters, kann einer solchen Abgrenzung schwer folgen. Beides scheinen wichtige Bestandteile einer argentinischen Identität oder Kultur zu sein.

  • Eduardo Aguirre soll einst ein großer Fußballspieler gewesen sein, heißt es in dem Nachruf, als dieser im Frühjahr im Alter von 71 Jahren verstarb. Uns ist er jedenfalls als Tänzer bekannt.
    http://www.youtube.com/results?search_query=eduardo+aguirre+tango+apilado&aq=f
  • Der Fußballverein Tango FC in Newcastle besinnt sich auf Kernwerte des Tango und überträgt diese auf den Fußball.
  • Ein interessanter Aufsatz mit einem Verzeichnis an 47 Tangotiteln mit Fußballthema findet sich hier.
  • Das bekannteste aktuelle Stück zum Thema ist natürlich La Gloria von der neuen Gotan-Scheibe. Elbnymphe war im Berliner Konzert und hat dieses Stück besprochen.
  • Diese Tangoshow von Ruben und Sabrina finde ich immer wieder auf Homepages und ist sicherlich auch vielen Lesern dieses Blogs bekannt. Ein nettes Spiel.
  • Hier dominiert offensichtlich die Idee, Bühnentango irgendwie mit Fußball zu verbinden. (Tango emotion(?) im Grand Theatre Shanghai)
  • Die männlichen Tänzer stecken hier im Fußballerdress, die Rolle des Fußballs ist neu besetzt. Was den Ball als solchen aufwertet, der eben mehr ist als nur ein Sportgerät.
  • Ich habe noch eine Reihe weiterer ulkiger Filmchen gefunden, für die ich an dieser Stelle auf die bekannten Videoportale und den Sucheintrag
    Tango+Fußball/fútbol/soccer/maradona/La boca verweise
  • Zum Abschluß noch ein, wie ich meine, richtig guter Werbefilm vom Mai dieses Jahres. Da haben natürlich auch Kamera und Schnitt ihr Handwerkzeug dazu gegeben.

Männer auf die Piste!

Eine in der Tangogemeinschaft immer wieder diskutierte Frage ist ja, wie lässt sich das Ungleichgewicht zwischen tanzenden Männern und Frauen angleichen. Dazu gibt es auch mal mehr oder weniger kreative Ideen, wie das bewerkstelligt werden kann. Nun habe ich ein Kursmodell gefunden, das mich schon arg schmunzeln lässt.
Ob der Veranstalter sein Ziel erreicht, und diese Idee zur Nachahmung empfehlen wird, das kann er uns vielleicht nach dem letzten Kursabend verraten 😉


Tango – Anfängerkurs für Männer unter 30!
(…)
Tanzen lernen mit erfahrenen Tänzerinnen (einige sind bereits vorhanden, über weitere würden wir uns sehr freuen; für euer Engagement müsst ihr natürlich nichts bezahlen)!!!

* 3 Wochen intensiv Kurs
* Di/Mi 8./9., 15./16., 29./30. Juni
* 6 x 1,5 Stunden
* 50 Euro für Männer; wenn alle Stunden besucht werden, gibt’s euer Geld zurück (abzüglich Raumgebühren)!!!

Marteniza

Der Winter hat sich ja mit Pauken und Trompeten verabschiedet, mit Xynthia, warmen Tagen und Sonnenschein und nach dem Dauergrau der letzten Wochen blenden selbst nachts Vollmond- und Sternenhimmel. Eigentlich wäre es euphorisch, wegen dem raschen Wetterumschwung gleich von Frühling zu schwärmen, wären da nicht die Tangueras mit ihren bulgarischen Familienwurzeln. Diese nehmen mich in die Freude des Frühlingsanfanges mit hinein, welcher nach bulgarischem Brauch der 1. März ist. Damit offensichtlich unzertrennlich verbunden ist das Marteniza. Es ist etwas Kleines aus Wolle – Wollanhänger, Armbänder, Wollpuppen oder einfach zwei Fäden – und wird mit Wünschen für Glück, Liebe und Gesundheit verschenkt. Die Farben sind rot und weiß, was mich eher an die Flaggen von Österreich, Polen oder Franken erinnert. Wenn man dann tatsächlich ein erstes Frühlingszeichen der Fauna sieht, dann hängt man dieses Marteniza an einen Baum. Ich frage mich, wie die Baumlandschaft im März wohl aussieht. Etwa so, wie die Weinstraße zur Mandelblütenzeit? Marteniza im blühenden BaumMir selbst ist nicht so wichtig, welche der vielen möglichen Legenden dahinter steckt, Glückwünsche sind einfach etwas Schönes, und dies vor Frühlingsbeginn und aus Herzem ganz besonders. Und die Freude der Tangueras ist einfach unübersehbar und steckt an.

In diesem Zusammenhang habe ich erstmals einen Film mit gleichzeitig 9 sprachigen Untertiteln gefunden, ein Promovideo des bulgarischen Fremdenverkehrsverbandes.


… und seit wann

Dezember 2017
M D M D F S S
« Jun    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Neue Beiträge gibt's per Email

Schließe dich 11 Followern an

wordpress counter