Archive for the 'Ein Freitagswurf' Category

Der Klang in den Streben

Warum auch immer ich diese Begriffe zusammen bringe, merkwürdig genug mag es klingen: Dom, Tango, Haut.
Ein schönes Erlebnis, das ich hier gerne teile.

Ich war in einer fremden Stadt und besuchte die berühmteste Kirche der Stadt. Die mal Dom, mal Münster und südlich der Alpen auch schon mal Kathedrale heißt. Diese hier angeblich im Barockstil gebaut, doch die Wirkung auf mich ist bei gotischen oder romanischen Bauten ähnlich, solange die Architektur das Hauptmerkmal ist. Da nehme ich häufig die Gewölbe, Säulen, Streben, Mauern und Fenster wie eine weitere Haut von mir wahr. Manchmal mehr, manchmal weniger, es hat immerhin etwas Großes. Nun, ein Orgelkonzert stand hier auf dem Programm, danach eine Milonga ein paar Bushaltestellen weiter. Die Töne krochen unter meine erwähnte erweiterte Haut und zogen mich mal hierhin, mal dorthin. Manch gefestigte Strebe und Säule verband sich mit mir. Gelegentlich meinte ich mich an ein Gedicht von Hermann Hesse über den Klang von Musik zu erinnern, jedoch nicht an den Titel, das mir eine Spur zu wortgewaltig vorkam.
Kurzum: Das Orgelkonzert im Sakralbau füllte meinen Körper auf und so betrat ich kurze Zeit darauf den Tanzsaal.
Ein schöner Tanzabend mit einer neuen und spannende Erfahrung schloß sich an.

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Wochenendklänge: Beautiful Tango (Hindi Zahra)

Auf Hindi Zahra wurde ich erstmals in einem Beitrag bei Elbnymphe aufmerksam. Sie beschrieb die Musikerin als Highlight des recht heterogenen Radionachtprogramms während einer nächtlichen Automitfahrt durch halb Deutschland, wenn ich recht erinnere.
Beautiful Tango wurde für mich zum Ohrwurm der letzten Monate. Einfach so schön!
Zu Hause läuft das ständig und ich lasse keine Möglichkeit aus, dieses Song auf Milongas, Tangofrühstücks etc. aufzulegen. Der Effekt: Keiner bleibt sitzen, die Tanzfläche ist voll und ich werde rasch gefragt, was das denn für ein Stück sei. Wer keinen Tangopartner findet lässt sich lieber alleine von der Musik bewegen als wartend herum zu sitzen.
Ein wunderbares Stück.
Kein Tango. Aber tanzbar.
Der Bluescharakter ist stark.

„Wie bei einem marokkanischen CousCous: alles kommt rein und wenn man die richtige Dosierung findet, passt es dann passt es auch tatsächlich zusammen.“ sagt sie in einem Interview. Vielleicht nicht alles aber zumindest Sintimusik, Jazz, afrikanischer Polyrhythmus, die Musik der Berber. Als Nomadin zwischen Orient und Okzident bezeichnet sie sich, ihre familiären und auch künstlerischen Wurzeln liegen in beiden Regionen (auch wenn diese Gegenüberstellung heute nicht mehr so gültig ist wie Ende des 19. Jahrhunderts).

Interview „Die Presse“
Interview „Le Parisien“
Interview Deutschlandfunk

Dass Stand up, ebenfalls aus dem Debutalbum Handmade in der Werbung angekommen ist, habe ich erst im Laufe der Entstehung dieses Beitrags erfahren. Vielleicht sehen Tangotänzer keine Fernsehwerbung, statt dessen tanzen sie auch auf dieses Stück lieber als auf dem Stuhl oder an der Bar zu bleiben.

Lavatanssi

In fremden Gärten wachsen ja immer die besseren Früchte. Ganz besonders in Finnland, da soll ja fast alles toller sein. Ich war noch nie dort und bin über Medieninputs regelmäßig beeindruckt. So auch letztens, als ich etwas über die Lavatanssi gelesen habe. Das sind Tanzböden neben Hotels und Gaststätten, auf denen auch Tango getanzt wird. Es scheint nun aber so zu sein, dass diese Tanzböden auch an Autobahnparkplätzen aufgebaut sind. Man stelle sich das mal vor:
Lange Autofahrt, Müdigkeit, Parkplatz, rechts raus. Statt Körperleerräume zu befüllen bewegt man sich auf die Tanzfläche und legt mal ne flotte Sohle hin. Danach geht’s weiter.

Etwas ähnliches habe ich mal erlebt, da fuhren wir zu zehnt durch halb Deutschland auf eine Hochzeit. Da wir wussten, dass dort Salsa getanzt wird und eine Mitfahrende dieses Tanzes kundig war, machten wir auf einem Parkplatz eine Schnelleinführung in den Salsa. Das hob ohne Zweifel unsere Stimmung der Vorfreude, dass wir ziemlich viel zum Gelingen der Feier beitrugen. Für den Salsa waren wir zwar motiviert aber nicht fähig genug. Machte nix.
Das wär doch mal eine Vorstellung: An vorerst jedem zweiten Parkplatz eine Tanzfläche zur Aufmunterung der Reisenden.

Woher kommt die Musik? Und wenn man ohne Partner kommt? Hat jemand von euch Mitlesenden das in Finnland schon mal gesehen?

Wochenendklänge: Coultergeist

Dieses Stück aus Phil Coulters CD Highland Cathedral – so eine Art schottische Messe – ist irgendwie durch experimentierende DJs in die Milongas gekommen und aus einem mir nicht erklärbaren Grund dort auch geblieben. Eine leichtläufige, meist einstimmige Klaviermelodie im 2/4 mag nach nichts Aufregendem klingen. Der Pfeffer sind die abrupten Pausen, die ganz plötzlich bei Hörern, Tänzern und auf der Tanzfläche eine Spannung erzeugen, die rasch wieder aufgelöst wird. Eine dem Original halbwegs nahe kommende Fassung ist hier von einem Menschen namens 25dec18
Er schreibt, die Noten seien recht leicht per Selbststudium zu erlernen.

Aber eigentlich würde ich dieses Stück hier gar nicht erwähnen, hätte ich es nicht kürzlich auf der neuen CD von Las Sombras wieder entdeckt. Die Aufnahme mit dieser komischen Melodica, ist erfrischend und gefällt mir einfach gut, zahlreiche Tanzflächen haben sie schon gerne angenommen.

Ein besonderer Ort

So mancher tanzte schon vorbei.
An anderer Stelle wird gesungen, dass an diesem Ort ‚Kinder vergeben spielen‘.

Und die Tanguera flüsterte

…. Ein historischer Augenblick …

Eine Reihe wunderbarer Tandas verteilten sich von hier auf Tage und Orte.

Wochenendklänge: Yumeji’s Theme

Irgendwie will sich bei mir noch immer kein auditiver Abnutzungseffekt einstellen. Obwohl dieser Titel immer öfter auf Milongas zu hören ist, aber auch im Balett, in der Werbung,…
Aber noch höre ich diese Spannung vor dem Ansatz an vielen Stellen, gehe mal mit dem Rhythmus, mal mit der Melodie, mein Atem ändert sich und es ist ein Wunderbares in einer schon vorhandenen Tanzbegegnung von YT überrascht zu werden.

Er ist dem Film In the Mood of Love von Wong Kar-Wai entnommen, durch den sich eine Zartheit des einander Suchens zieht. Schauspieler, Musik und Kamera ziehen mich mit ihrer Ruhe, ihrer Schichtheit immer wieder in Bann.
Chow Mo-Wan (Tony Leung) und Su Li-zhen (Maggie Cheung; Elbnymphe fiel der häufige Kleiderwechsel ins Auge und sie weiß auch von 46 Kleidern allein für diese Frau und diesen Film) treffen sich 9 mal auf verschiedenste Weise, Yumeji’s Theme begleitet diese Begegnungen. Der Ohrwurmeffekt ist also schon vorbereitet.

Der verführerische Walzer, der mit seinen Saitenarrangements verzaubert, symbolisiert die vorsichtigen, romantischen Schritte der männlichen und weiblichen Tänzer. Der Rhythmus des Tanzes verkörpert das Paradox aus Leidenschaft und gesellschaftlichem Pflichtbewusstsein, dem sich beide Geschlechter unterordnen. (DVD-Text)

Takehisa Yumeji
Postcard by Takehisa Yumeji, 1913

Takehisa Yumeji (1884-1934) zeichnete die Schönheiten seiner Zeit und genoss große Popularität, jedoch keine Anerkennung in Fachkreisen. Museen mit seinen Werken stehen z.B. in Okayama oder Tokyo.

Seijun Suzuki drehte 1991 einen halb-fiktionalen Film über Yumeji. Und der Filmkomponist, ehemaliger New Wave Musiker, Shigeru Umebayashi komponierte besagten Titel, der auf Youtube einige Mitmenschen dazu inspiriert eigene Filmschöpfungen bzw. Bildsequenzen zu kreieren.

Es gibt gerade einen aktueller Titel von Shigeru Umebayashi: George’s Waltz, ist in dem Film „Single Man“ zu hören.

Noch einmal zu Yumeji’s Theme, eine akzeptable Bearbeitung im Enrico Morricone Verschnitt ist ganz lustig anzuhören, erreicht aber nicht die Schönheit des Originals.

Männer auf die Piste!

Eine in der Tangogemeinschaft immer wieder diskutierte Frage ist ja, wie lässt sich das Ungleichgewicht zwischen tanzenden Männern und Frauen angleichen. Dazu gibt es auch mal mehr oder weniger kreative Ideen, wie das bewerkstelligt werden kann. Nun habe ich ein Kursmodell gefunden, das mich schon arg schmunzeln lässt.
Ob der Veranstalter sein Ziel erreicht, und diese Idee zur Nachahmung empfehlen wird, das kann er uns vielleicht nach dem letzten Kursabend verraten 😉


Tango – Anfängerkurs für Männer unter 30!
(…)
Tanzen lernen mit erfahrenen Tänzerinnen (einige sind bereits vorhanden, über weitere würden wir uns sehr freuen; für euer Engagement müsst ihr natürlich nichts bezahlen)!!!

* 3 Wochen intensiv Kurs
* Di/Mi 8./9., 15./16., 29./30. Juni
* 6 x 1,5 Stunden
* 50 Euro für Männer; wenn alle Stunden besucht werden, gibt’s euer Geld zurück (abzüglich Raumgebühren)!!!


… und seit wann

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