Rückblickend möchte ich noch einmal ein paar Gedanken zu „El SDLC“ aufschreiben. Ich beziehe mich dabei auf die Vorstellung im Stuttgart Ocho. Die Energien, mit denen gespielt wurde, haben mich stark beeindruckt, einzelne Szenen haben sich in meinem Kopf festgesetzt.
Der Rahmen: Zwei Tanzpaare, zwei Schauspieler, eine Bühne mit ein paar Stühlen, Tischen, einem Ventilator, einer Bank ohne Rückenlehne. Tonmeister, Beleuchter. Regisseur.

[Foto: Andreas Lange]
Choreografisch gab es viele Einflüsse. Zunächst mal klassischer Tangoshowtanz, bei dem all die –adas und –odas nur so herumflogen. Dann waren da mal Elemente aus dem modernen Ausdruckstanz (Wigman) zu sehen, mal entdeckte ich Showelemente von Gonzalo& Solanges früheren Shows wieder. Showtänze wurden angedeutet und dann persifliert, mal wurde ganz normal Salon getanzt, mal tanzten die vier Tänzer gemeinsam in fliegendem Partnerwechsel. Vertraute Einstiege, Auflösung der Form, Verwirrung. Ein Glanzpunkt: der letzte Tanz, nein, kein Tango: Endgültig zeitgenössisches Tanztheater – oder nenne es Modern Dance -, ein Paar mit einer Bank als Objekt. Ich ließ mich soweit mitreißen, dass ich mich über den Applaus des Publikums täuschen ließ: Ein Teil davon wurde vom Tonmeister eingespielt, während der Verblichene dies zum Anlass nahm auf einen fragilen Gipfel zu klettern um den Applaus für sich einzustreichen. Täuschende Magie, so einfach eingefädelt, aber vorbereitet durch die Bannung der Sinne auf der Bühne. Da könnte der Tango sich vielleicht einmal hinbewegen.
Große Gesten – ganz klein gespielt, und Kleines – ganz groß. Da war die Tanguera, die beim Hineinschreiten durch die Tür sich einen Tanguero in einem Bruchteil von Sekunde angelte, bevor dieser auch nur eine Chance zum „Cabeceo“ oder was auch immer hatte. Selbiger wurde wiederum recht heftig angewandt – im Ventilatorflug (oder war es eine heiße Motorradfahrt?) von Rodrigo zu „Tango in Harlem“. Diese Cabeceos aus dem Fahrtwind heraus waren wohl eher ein Versprechen für irgendwann einmal.
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Während die Tänzer Tänzer sind und solche auch spielten, repräsentierten die beiden Schauspieler Theaterfiguren des Tango. Diego Maurino war der Verblichene, die Verbindung zu einem wann auch immer gewesenen „früher“. In adjektivischen Wortkaskaden lallt er immer wieder besoffen seinen Frust heraus – das wiederum so geradlinig, wie man gar nicht besoffen sein kann. Sein Lied über das Schlechte (“Mala”) ergreift mit seiner Wortkomik. Überzeichnung und Karrikatur sind Elemente, die während des Abends immer wieder vorkommen. Er macht darauf aufmerksam: Ohne ihn, die Vergangenheit, wie auch immer sie jetzt da steht, gäbe es ihn nicht, den Tango.
Bei der Probe: Malena und Rodrigo
[Foto: jomeyer]
Malena Medici erinnerte mich stellenweise stark an Facetten der Carmen. Die Verruchte, Verführerische, Kalte, Hitzige, Lockende, Herausfordernde, sich Verirrende. Sie kommt von vorne, hinten, unten, oben, links, rechts – in meiner Erinnerung lassen sich weder der Verblichene noch die Tanzenden von ihr beeindrucken. Am liebsten würden sie alle sie ausblenden, negieren, sie schaffen es nicht – und ohne sie wäre all ihr Tango nichts. Sie ist das Unausgesprochene im Tango, ohne dem dieser nur Motorik mit vielleicht netten Empfindungen wäre.
Die beiden verkörperten das Subtile zwischen den Schritten, das in den Herzen oder wo auch sonst irgendwie festklebt. Selbst wenn sie im Dunkeln agieren und die Scheinwerfer sie zu vergessen scheinen, sie machen wohl jedem Zuschauer deutlich: Tango ist mehr als Schritte und Technik.
Zärtlichkeit, die beim achtsamen Hinhören auf den Klang zum Tragen kommt und sich zu einer eigenen Kraft entwickelt.
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In einem etwa 2 Jahre alten Interview sagt Gonzalo etwas, das ich gerne als Inspiration für die Milonga gerne mitnehme:
One important element is the mark, it determines a lot, one guides their partner and the partner creativily responds by doing a series of movements all based on that mark. What we look for is that the mark always be present in our dancing, that the movement be called upon, asked for, and from that point on is where we begin to break apart the movements.
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CETA und El Sonido de las Caricias.
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