Archiv der Kategorie 'Bühne'

Reihe Theater und Tango: Teatro Tango (R) nach Jorge Aquista

Vor einiger Zeit bat ich die LeserInnen dieses Blogs um Beiträge zum Thema “Tango und Theater”. Das ist ein, wie ich finde, spannender Bereich, der zumindest in meiner Wahrnehmung sich ganz interessant entwickelt und viele sehr verschiedene Blüten treibt. Eine Leserin und ein Leser schrieben nun die folgenden Beiträge. Vielen Dank für eure Offenheit, die uns einen Blick in “Teatro Tango” schenkt.

Was Teatro Tango ® ist, beschreibt Jorge Aquista so:

„Für mich geht es darum, die Tangophilosophie, die Tangodramaturgie darzustellen. Ich weiß, dass der Tango als Begriff für Sinnlichkeit, als Suche nach Nähe in jedem steckt. Mir ist es wichtig, das zu locken, zu entdecken, bewusst zu machen und ihm dann eine Form zu geben. Aber ich lehre nicht Tango tanzen, sondern ich kann helfen, den Tango nachzuempfinden.“
An drei Wochenendkursen im Rahmen der Traumfabrik Regensburg konnte ich diese Bewegungsarbeit „am eigenen Leib“ erfahren. Dabei wurde uns Teilnehmern schnell klar, dass der Begriff „Teatro“ nichts mit Bühne und Aufführung zu tun hat. Er steht vielmehr für die eigene tänzerische Ausdrucksfähigkeit und das Spiel mit den Prinzipien des Tangotanzens.

Mit diesen Prinzipien – Kontakt, Nähe, Distanz, Hingabe und Dominanz – lässt Jorge die Teilnehmer spielen und experimentieren. In vielen Aufgabenstellungen geht es darum, Kontakt aufzunehmen, Nähe herzustellen, auf Distanz zu gehen – verbal und non-verbal, also über Körper, Bewegung und Gestik.
Je sensibler und achtsamer der Partner dabei ist, mit dem man sich zusammen bewegt, desto spannender ist diese Zusammenarbeit. Und natürlich spielt es auch eine Rolle, ob der Partner ein gewisses Bewegungsrepertoire besitzt oder nicht. Das muss nicht unbedingt Tangoerfahrung sein – das kann auch (wie in unserem letzten Kurs) indischer Tempeltanz sein oder Taekwondo. Aber je vielfältiger die tänzerischen Ausdrucksformen sind, auf die man trifft, desto kreativer wird man dabei selber und desto lebendiger und befriedigender ist das Miteinandertanzen.

Die Tangomusik, meist in ihrer modernen und ungewohnten Interpretation, bietet bei Teatro Tango eher eine akustische Vorlage. Sie versetzt in eine bestimmte Stimmung, sie lässt Bilder entstehen.

Bei mir läuft manchmal ein Film im Kopf ab, in dem ich die Hauptdarstellerin bin – vor allem, wenn Jorge die Teilnehmer bittet, beim Tanzen die Augen zu schließen und es dem Zufall zu überlassen, auf wen man trifft. Ich versuche zu erspüren, ob ich die Dominante bin oder ob der/die Andere die Führungsrolle inne hat, ich taste mich an die fremden Bewegungen heran, verfolge sie oder versuche, sie in meine Richtung zu verändern und bin gespannt, ob der/die Andere darauf eingeht oder nicht.

Verwandt mit der Kontaktimprovisation ist der Teatro Tango auf jeden Fall – wie beim Contango auch gerät man manchmal in sehr engen, ja fast intimen Kontakt zu den anderen Tänzern.

Die Sinnlichkeit des/der Anderen wird manchmal zum Greifen nah – manchmal vermischt mit Tangoelementen, manchmal aber auch jenseits von bekannten Bewegungsmustern. Und in seltenen, aber umso tiefer empfundenen Momenten wird aus Bewegung sogar ein Bewegt sein.

Beitrag eines Teilnehmers

Aus meiner Sicht ist „Teatro Tango“, so wie ich ihn an o.a. Wochenende kennengelernt habe, der ideale Einstieg ins Tango-Tanzen. Gleichzeitig muss ich rückblickend zugeben, dass ich, als ich selber angefangen habe Tango zu tanzen, wahrscheinlich große Probleme gehabt hätte, mich auf Teatro Tango einzulassen. Ich wollte, wie wohl die meisten, möglichst schnell (spektakuläre) Figuren tanzen und diese möglichst schnell erlernen. Mich in vielen Variationen ständig mit den Themen Nähe, Distanz und Kontakt zu befassen, wäre mir wahrscheinlich relativ schnell auf die Nerven gegangen.

Auf der anderen Seite hätte ich mir viel typischen Tango-Männer Frust erspart, wenn ich diesen Weg gegangen wäre. Die eigenen Schritte richtig zu tanzen, die Frau klar aber trotzdem gefühlvoll zu führen, das Ganze passend zur Musik, gleichzeitig aufzupassen, dass man mit niemand zusammenrumpelt, nicht immer die selbe Abfolge an Figuren zu tanzen, sondern die Frau zu überraschen ohne sie zu überfordern … all das sind Anforderungen, die die meisten Männer (selbst wenn sie, wie ich, viel andere Tanzerfahrung mitbringen) hoffnungslos überfordern und frustrieren. Bei all diesem Stress geht das m.E. wichtigste Element des Tangos, nämlich das Gefühl für den Partner meistens verloren.

Bei Teatro Tango entfällt der ganze Stress, den man als Mann normalerweise hat. Das beginnt schon damit, dass Jorge sich sehr viel Zeit nimmt, um die Teilnehmer auf die Reise zur Entdeckung des Tangos mitzunehmen. In zahlreichen, leicht abgewandelten Übungen geht es nur darum in Kontakt mit einem anderen Teilnehmer zu treten und seine Impulse aufzunehmen. Es gibt keine „Schritte“, keine Figuren, es gibt kein richtig und falsch. Eine ständige Wechsel der Initiative innerhalb eines Paares (egal ob Mann oder Frau) entlastet den Mann davon, von Anfang an für alles „verantwortlich“ zu sein.

Stattdessen macht er die ungeheuer wichtige Erfahrung, wie es sich anfühlt „geführt“ zu werden und zu reagieren, statt ständig immer nur zu agieren. Die Entwicklung einer Sensibilität für den Partner bzw. die Partnerin und die frühe Erfahrung des Improvisierens verhindert wirkungsvoll, dass man später „sein Ding durchzieht“ und immer wieder dieselbe Abfolge von Figuren runternudelt.

Ich empfehle Teatro Tango allen, die Spaß an freier Bewegung außerhalb des kodifizierten Tango-Bewegungsvokabulars haben. Voraussetzung ist lediglich die Bereitschaft aus sich herauszugehen und in engen körperlichen Kontakt mit wildfremden Menschen zu treten.

Nach dem Besuch von “El Sonido de las Caricias”

Ich habe nun in den letzten Tagen die Vorstellung besucht und war wieder ….
B E G E I S T E R T !!!!!
Im entzückenden, kleinen Programmheft zur Tournee fand ich einen Dank an Pina Bausch für die Inspiration der Arbeit zu “Caricias”. Diese Information hat zunächst zwar keinen Überraschungswert, aber jetzt ist es ein Reiz, mal die Brücke zwischen der großen Tanztheaterfrau und “Caricias” zu finden und daraus einen Text zu formulieren. Ich bin gespannt.

Teatro Tango

In eigener Sache: Wer kann zu “Teatro Tango” einen Gastbeitrag schreiben?

Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen: Die Frage, wie kann Tango seinen Platz auf der Bühne erhalten, hat in diesem Blog einen großen Raum. Theater und Tango. Das Projekt “El Sonido de las Caricias” ist aktuell das mit liebste, es gibt aber auch mehr. Und um Missverständnisse gleich zu klären: keine Shows, keine Musicals, keine Revuen, das ist nochmal was anderes.
Und nun suche ich Beiträge zu Teatro Tango.
Mit diesem Namen arbeiten meines Wissens drei Menschen im deutschsprachigen Raum:
- Jorge Aquista aus Heidelberg, der diesen Begriff auch rechtlich geschützt hat.
- Jost Budde aus Düsseldorf
- Frauke Nees aus Karlsruhe/Buenos Aires(?)

Und nun meine Frage: Möchte jemand zur Arbeit einer der oben genannten Personen einen Gastbeitrag schreiben?
Was passiert in dieser Arbeit?
Wie wird “Tango” verstanden, hat der Salontango eine Bedeutung?
Wenn nicht, wie wird Tango verstanden?
Ich freue mich auf Beiträge.
Entweder hier als Kommentar oder per mail an mich (tangosohle – ät – g m x punkt o r g ), dann kann ich da als eigenen Beitrag einstellen, evtl. mit Bildern, links Videos).
Ich bin gespannt!

Tango und Tanztheater – ein Zusammenspiel auf der Bühne

Nun, grundsätzlich sehe ich den Bühnentango als etwas anderes an, als den Salontango. Den meisten dürfte das klar sein. Anstrengend wird’s, wenn der Bühnentango, oder das was Lehrer/Tänzer davon verstehen, auf die Salonpiste transferiert wird. Über die Missverständnisse und deren Folgen wird an vielen Stellen im Netz und auf Papier geschrieben.
Kambras
Das Stück “El Sonido de las Caricias” ist ein Bühnenstück, das in einem Tangosalon, auf einer Milonga spielt. Da hat der Salontango seinen Platz. Schmucke Figuren für’s Auge, ich verspreche, da wird was geboten. Klassischer und anderer Tango. Für Momente. Und das Tanztheater hat auch seinen Platz in diesem Stück. Auch ein Text. Und ein Lied. Und…. Das Stück zeigt eine Entwicklung des Geschehens auf einer Milonga, und was an Performance geschieht geht mit dieser Entwicklung mit.

In einem der Ankündigungstexte heißt es: “Im Mikrokosmos (eines Tangolokals) aus Regeln, Sozialstrukturen und einem ganz eigenen Verständnis der Rollen von Mann und Frau entwickeln sich berührende Momente zwischen den Tänzern, die sich bei allen Einflüssen von Elementen des zeitgenössischen Tanzes oder des Schauspiels immer der Wurzeln des Tangos bewusst sind.” (Tangoprojekt.com)
Der Tango als ein eigenes gemeinschafltiches Gefüge und Geflecht, wie es so nur im Salonleben (und drumherum) auftritt. Das ist sicher der interessanteste Aspekt, den ich als Salontangotänzer in diesem Stück gesehen habe. Ich habe in manchen Szenen bekannte Situationen aus meinem Tänzerleben wieder entdeckt – und mit Vergnügen gesehen, wie diese Ideen umgesetzt werden.

Das geht natürlich über die Aussage “Tango ist ein sozialer Tanz” heraus, die vor ein paar Jahren unter Tangowahrheitsverfechter ihre Runde gemacht haben. In diesem Stück habe ich die Begründung für diesen Satz gefunden, den ich von Verfechtern besagten Satzes nie gehört habe.

Links zu dem Stück und der Tournee

Homepage der Tanzcompanie Kambras
Bei Tango-de auf Yahoo
Ebenso bei Facebook

Wieder da: El Sonido de las Caricias – Ein Tanztheater rund um den Tango

Hoch erfreut habe ich in diesen Tagen festgestellt, dass mein liebstes Tangobühnenstück wieder im Lande ist: El Sonido de las Caricias (Der Klang der Zärtlichkeit), das mich letztes Jahr so begeistert hat und zu einigen Blogbeiträgen führte. Das soll auch jetzt (möglicherweise) zu weiteren Beiträgen führen.

Alle Beiträge zu El Sonido de las Caricias, die ich bis jetzt geschrieben habe.

Es gibt ein paar schöne Filme dieser Gruppe, die aktuellsten beziehen sich auf die anstehende Europatournee. Ich kann nur sagen: Schaut sie euch an (und geht in die Vorstellung!)

Ein “making of” dieses Films findet sich bei Facebook (auch ohne Anmeldung/Namenseingabe sichtbar).

Der offizielle Link: El Sonido de las Caricias mit allen Tourdaten und einem Link zu Facebook (den man ohne Einloggen ansehen kann)

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